Freitag, 13. Dezember 2019

Surfboard Design Guide - So ist ein Surfbrett aufgebaut

Surfen

Was ist das wichtigste Accessoire beim Wellenreiten? Ganz klar: Das Surfbrett. Doch was ist eigentlich die Nose und was das Tail? Wie viel Volumen sollte so ein Brett haben und welche Surfboard Shapes gibt es? In diesem Beitrag dreht sich alles rund um Surfboard. Danach bist du ganz bestimmt schlauer und weißt genau Bescheid über die Bretter, die die Welt bedeuten. Wir erklären die 10 wichtigsten Faktoren beim Surfboard Design.

Was ist Surfboard Design?

A-Frame Head-Coach Daniel bezeichnet das Surfboard liebevoll als Spaßapparat. Treffender könnte der Name für ein Surfbrett nicht sein. Denn wer schon einmal eine Welle gesurft hat weiß, wie süchtig Surfen machen kann und welchen Spaß man beim Wellenreiten hat.

Damit das Surfbrett so viel Freude wie möglich bringt, wurden die Sufboard Designs über die Jahre immer ausgereifter. Schon früher wurde in Polynesien und Hawaii viel Wert auf die Herstellung der damaligen Holz-Bretter gelegt. Heute gibt es dutzende Surfboard Shapes, verschiedenste Materialien und ausgeklügelte Herstellungsverfahren. 

Head-Coach Daniel beim Spielen mit seinem Spaßapparat... ;-)

Die Herstellung eines Surfboards

Für die Herstellung eines guten Surfboards ist ein unglaubliches Fachwissen und jahrelange Erfahrung notwendig. Denn nur so lassen sich die vielen vermeintlich unscheinbaren Faktoren zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Das bestätigt auch das Interview am Ende des Beitrags, das wir mit unserem ehemaligen Surflehrer Phil geführt haben. Phil unterrichtet nicht nur Surfen auf der ganze Welt, er ist auch Grafiker und Shaper von PT Surfboards. 

Surfboard Design - die 10 wichtigsten Bestandteile eines Surfbretts

Wenn du schon einmal gesurft bist, weißt du wie so ein Surfboard aussieht. Wie genau so ein Surfbrett aufgebaut ist, erschließt sich den meisten nicht gleich von Anfang an. Daher gehen wir Punkt für Punkt auf die einzelnen Bestandteile eines Surfboards ein:

1. Erklärung der Surfboard-Maße

Ein Surfboard wird mit diesen vier wichtigen Kennzahlen gemessen: 

  • Länge
  • Breite an der breitesten Stelle
  • Dicke an der dicksten Stelle
  • Liter-Anzahl in Volumen (Diese Angabe ist noch relativ neu in der Surfszene)

Die Länge, Breite und Dicke werden in Fuß und Inches angegeben. Dieses Maß ist anfangs für viele verwirrend. Aber wenn du dich länger mit Surfbrettern beschäftigst, bekommst du ein ganz gutes Gefühl für diese ungewohnten Einheiten. Hier für dich die Umrechnung von Fuß und Inch in Zentimeter:

  • Ein Fuß = 30,48 cm
  • Ein Inch = 2,54 cm

Das Finden des perfekten Surfboards ist ein Kompromiss

Je länger das Brett ist, desto mehr Geschwindigkeit kannst du beim Paddeln aufbauen. Je Breiter das Brett ist, umso kippstabiler wird es beim Surfen einer Welle. Du hast also mehr Stabilität. Je dicker ein Surfbrett ist, desto mehr neutralen Auftrieb hast du beim Anpaddeln. Das bedeutet, die Welle wird dich früher mitnehmen. Alles super coole Eigenschaften, und man könnte annehmen ein langes, möglichst dickes und breites Brett hat alle Vorteile vereint und ist damit das perfekte Surfboard. 

Das ist aber nicht so: Denn je mehr Material sich im Wasser befindet, desto schwieriger ist es, ein Surfboard zu manövrieren und Turns damit zu fahren. Bei der Wahl des richtigen Surfboards gilt es also, einen Kompromiss zu finden. Die Kompromiss-Findung zieht sich durch das ganze Thema Surfboard Design.

2. Das Volumen vom Surfboard

Das Volumen eines Surfboards wird in Litern angegeben und bemisst sich aus Länge, Breite und Dicke eines Surfbretts. Das Volumen ist eine prima Vergleichskennzahl bei einem Surfbrett. Denn mit dem Volumen kannst du die Balance zwischen deinem Können und deinem Körpergewicht in Einklang bringen und so ungefähr einschätzen, welches Board für dich geeignet ist. 

Das Volumen eines Surfboards ist eine relativ neue Angabe beim Surfboard Design. Vor zehn Jahren hat das Volumen bei der Surfboard-Auswahl noch keine Rolle gespielt. Shaper, die ein Surfbrett von Hand shapen, können das Volumen eines Brettes auch heute nicht ermitteln. Erst seit CAD und CNC Maschinen benutzt werden, um Surfboards kommerziell zu produzieren, wird diese Zahl angegeben. Viel wichtiger als das Volumen eines Surfboards ist die Verteilung des Volumens auf das Surfbrett. Denn drei Bretter mit dem gleichen Volumen können trotzdem vollkommen unterschiedlich zu surfen sein. Beispiel: Wenn ein Shaper zum Beispiel ein 38 Liter Brett shaped und das gesamte Material in der Nose (also den vorderen Teil) platziert, oder umgekehrt in das Tail (hinten), wird sich das Verhalten des Surfboards mit der gleichen Liter-Anzahl vollkommen verändern. Bevor du also ein Surfbrett aufgrund des Volumens kaufst, achte auf die Verteilung im gesamten Brett.

Mit dem richtigen Volumen können auch Übergewichtige easy surfen

Warum ist das Volumen beim Surfboard wichtig?

Seit der "Retro-Revolution" Anfang der 2000er Jahre wird eine immer größere Vielfalt an Surfboards gesurft, und heute geben die Standard 3 Dimensionen (Länge, Breite und Dicke) nicht mehr genügend Informationen, um zu entscheiden, ob ein Board für uns funktioniert oder nicht. Man kann drei Surfboards mit den gleichen Abmessungen formen, die sehr unterschiedlich aussehen und surfen. Daher kommt seit einigen Jahren eine neue Kennzahl, das Volumen, ins Spiel.

Das Volumen macht also vor allem eine Aussage darüber, wie "schwimmfähig" das Surfbrett sein wird und somit, wie gut das Brett dich auf dem Wasser schwimmen lässt. Dieser Faktor ist enorm ist wichtig, denn je besser ein Surfboard dich aus dem Wasser schiebt, desto weniger Widerstand wird dein Körper beim Paddeln erzeugen, und desto schneller kannst du dich bewegen. Je schneller du paddeln kannst, desto mehr Wellen kannst du erwischen, und desto weniger steil müssen diese Wellen sein, um sie zu erwischen. Das Volumen des Boards ist jedoch nur die Hälfte der Gleichung, der andere Teil ist das Gewicht des Surfers, da ein schwererer Surfer mehr Volumen benötigt, um ihn zu schwimmen.

Surfboard Volumen berechnen

Auch wenn man beim Berechnen des Volumens den Shape des gesamten Surfbretts im Auge behalten sollte, gibt es eine Formel zur Surfboard Volumen-Berechnung. Dazu brauchst du nur dein Körpergewicht und dein Surfkönnen (Sei ehrlich zu dir selbst), und schon bekommst du als Ergebnis das ideale Boardvolumen. Mit dem Volumen-Kalkulator des Surfboard-Labels Firewire kannst du das Volumen berechnen. Hier musst du allerdings beachten, dass der Kaklkuator nicht für Anfänger gedacht ist. Wenn du hier "Beginner" auswählst, solltest du Wellen schon nach Links und Rechts absurfen können. Außerdem wird bei den Kalkulatoren die Paddel-Power bzw. deine Fitness nicht mit einberechnet. Das nachfolgende Video beschreibt sehr viel besser, wie du das Surfbard Volumen berechnest.

Video über Größe und Volumen eines Surfbretts

Dieses Volumen surfen die Profis

Welches Volumen surfen Profis wie Kelly Slater oder Mick Fanning? Hier ist eine interessante Übersicht der Profis:

HeightWeightVolumeVolume/Weight
Kelly Slater5’9 (175cm)160lbs (72kg)24.0L       6.6 lbs/L (3.0kg/L)
Mick Fanning 5’10 (177cm)165lbs (75kg)26.3L       6.3 lbs/L (2.9kg/L)
Dane Reynolds 6’0 (183cm)180lbs (81kg)29.2L       6.2 lbs/L (2.8kg/L)
Steph Gilmore 5’10 (178cm)146lbs (66kg)  24.2L       6.0 lbs/L (2.7kg/L)
Harley Ingleby 6’2 (188cm)188lbs (85kg)35.6L       2.9 lbs/L (1.3kg/L)
Harry Knight    6’1 (185cm)   180lbs (81kg)33.0L       5.6 lbs/L  (2.5 kg/L)
Jessie Carnes 5’6 (170cm)   130lbs (58kg)27.1L       4.8 lbs/L (2.7kg/L)
Ru Hill    5’8 (173cm)160lbs (73kg)  27.1L .     5.1 lbs/L (2.7kg/L)

Typischer Fehler: Je kleiner desto besser?

Wenn du dir die oben stehende Tabelle ansiehst, wird deutlich: Diese Surfer haben ganz schön kleine Surfboards. Vergiss dabei nicht, dass es sich hier um die weltbesten Profis handelt. Viele Surfer, vor allem Anfänger, denken: Wenn ich ein richtig guter Surfer sein möchte, muss ich ein möglichst kleines Surfboard surfen. Falsch gedacht. Diesen Fehler machen viele, die sich ein eigenes Surfbrett kaufen. Die Größe des Surfboards entscheidet nämlich nicht nur, wie gut du surfst sondern was und wie du surfen möchtest. Größere und voluminösere Bretter sind gerade für Anfänger leichter zu surfen da es zu Beginn vor allem darum geht, viele Wellen zu bekommen und den Take-off zu üben. Aber auch Fortgeschrittene, die softe und gemütliche Wellen surfen möchten, sollten sich ein eher größeres Brett zulegen. Denn mit einem zu kleinen Brett wirst du diese Wellen nicht bekommen und so wenig Freude an deinem Surfboard haben.

Vorteil und Nachteil eines kleines Surfboards

Viele Surfer neigen jedoch dazu, sich schnell zu kleine Surfboards zu kaufen. Der Vorteil eines kleinen Brettes ist natürlich ganz klar: In steilen und hohlen Wellen sind kleine Surfbretter besser geegnet als große Boards. Ein kurzes Brett ist außerdem einfacher zu drehen als ein größeres Surfboard. Du kannst damit also radikalere Turns machen. Oftmals wird hier aber bei der Technik geschummelt und mit dem Oberkörper gedreht statt mit der richtigen Surf-Technik. Der Surfstil ist daher bei vielen Surfern mit zu kleinen Brettern eher unsauber. Du kannst das ganz leicht testen, indem du einmal auf ein größeres Surfboard umsteigst. Klappen jetzt deine Turns immer noch? 

Ein zu kleines Brett kann außerdem dazu führen, dass du weniger Wellen bekommst. Denn deine Paddel-Power reicht eventuell noch nicht aus und du kannst die Wellen erst zu spät anstarten. Ein zu großes Brett hingegen hat nur einen wirklichen Nachteil: Es ist weniger wendig und radikale Turns evtl. unmöglich. Die Frage ist aber: Willst und kannst du das überhaupt? Profis wie Kelly Slater brauchen natürlich ein solch kleines Surfboard. Das sind aber wirklich Profis, die anders surfen als der Durchschnitts-Urlaubs-Surfer.

3. Nose und Tail vom Surfboard

Beim Surfboard Design spircht man von Nose und Tail. Dabei ist die Nose der vordere Teil eines Surfboards und das Tail der hintere Teil eines Bretts.

Surfboard Nose

Die Nose befindet sich ganz vorn am Surfboard. Sie ist für das Paddeln und die Wellen-Ausbeute verantwortlich. Wenig Volumen in der Nose bedeutet, du hast weniger Geschwindigkeit beim Anpaddeln und du wirst die Welle nicht so leicht bekommen. Für das Catchen der Welle ist viel Volumen in der Nose also prima. Zum Surfen ist das Volumen dann nicht mehr so klasse. Die Nose ist dann sozusagen im Weg. Denn sobald du eine Welle surfst, hat die Nose ihren Teil der Arbeit erledigt. 

Beim Wellen Absurfen befindet sich nur noch der hintere Teil des Surfboards im Wasser. Wenn du einen engen Turn, im stärksten Teil der Welle fahren möchtest (Pocket), ist eine breite Nose hinderlich. Denn in diesem Fall musst du viel Material drehen und das ist nicht so leicht. Eine spitze Nose ist in diesem Fall besser. 

Welche Nose für welche Welle?

Beim Volumen der Nose kommt es also darauf an, welche Wellen du surfen möchtest und wie fit du im Paddeln bist. Wenn du steile Wellen mit viel Eigenpower surfen möchtest, kannst du weniger Volumen vorne im Surfbrett einplanen. Magst du lieber flache und softe Wellen, ist eine breitere Nose sinnvoll. Denn andernfalls kommst du erst gar nicht in die Welle hinein. Bei solchen Bedingungen werden die Turns auch eher smooth und weitläufiger ausfallen, das heißt, ein breite Nose ist nicht so störend.

Surfboard Tail

Das Tail befindet sich im hinteren Teil des Surfboards. Genau gesagt handelt es sich um das hintere Drittel des Bretts. Auch beim Tail hat das Volumen Einfluss auf das Surfen. 

Das Tail in kraftlosen Wellen

Viel Volumen im hinteren Teil des Surfbretts bedeutet beispielsweise, dass du mehr Auftrieb beim Absurfen einer Welle hast. Außerdem ist es mit viel Volumen leichter, die Geschwindigkeit zu halten. Wenn dir die Welle also wenig Schub gibt und du in einen Teil der Welle gelangst, der eher schwach ausfällt, ist viel Volumen besser. Denn dann ist es einfacher, mit einem breiten und voluminösen Tail deine Maneuver zu fahren. “Speed is your friend”, sagt man so schön - meistens zumindest.

Das Tail in großen und kräftigen Wellen

In großen, kraftvollen Wellen kann viel Volumen im Tail hinderlich sein. Denn es kommt bei starken Wellen oft vor, dass du so viel Geschwindigkeit aufbaust, dass das breite Tail zu viel Auftrieb bekommt. Du verlierst eventuell den Grip. 

Für solche Wellen wäre es folglich besser, weniger Volumen im hinteren Teil des Brettes zu haben. Das Tail “gräbt” sich dann besser in die Wellenwand hinein und du kannst kontrolliert Turns fahren und die Linie halten. Darum haben sogenannte Guns von BigWave Surfern ein sehr zusammengezogenes Tail (Pintail). So haben sie auch bei hohen Geschwindigkeiten bestmögliche Kontrolle über das Surfboard. 

Wer schon Videos von solchen Big Wave Surfern gesehen hat, fragt sich bestimmt: Warum surft er nicht weiter hoch und versucht, die Welle länger zu surfen? Das Problem ist die Geschwindigkeit: Das Tail kommt so hoch aus dem Wasser raus, dass es unmöglich wird das Brett noch zu kontrollieren. Die Surfer rasen einfach nur gerade die Wellenwand ins Weißwasser, und habe keine Chance, das Surfbrett die Wellenwand entlang zu surfen. 

Big Wave Surfer beim Eddi Aikau Contest

In diesem Video erkennt man sehr gut, dass die Surfer so schnell werden, dass sie NICHT seitlich die Wellenwand entlang surfen können.

Surfboard Tail Design

Oftmals wird beim Thema "Tail" nur über die letzten 20 Zenitmeter gesprochen und über die verschiedenen Tail Shapes wie Swallow, Square, Round, Squash Tail diskutiert. Wahrscheinlich weil es einfach optisch heraussticht, aber tatsächlich macht dieser letzte Part nicht soviel aus. Vielmehr muss man das gesamte letzte Drittel eines Boards beurteilen, um zu wissen wie es sich surft.

4. Die Rocker Line beim Surfboard

Die Rocker Line ist die Biegung eines Surfbrettes von der Nose bis zum Tail. 

Starker Rocker - Vor- & Nachteile

Ein Surfboard, das eine starke Biegung aufweist, eignet sich, um steile, kraftvolle Wellen zu surfen. Wenn es steil wird, hilft der Rocker in der Nose, dass du keinen Nosedive machst. Außerdem kannst du ein gebogenes Brett einfacher wenden. Der Nachteil ist, dass viel Rocker beim Paddeln stört und in der Welle bremst. Du schiebst dann viel Wasser vor dir her, was das Bett langsam macht. Das stört nicht bei kraftvollen Wellen. Bei schwachen Wellen kann es aber zu viel bremsen und du wirst nicht so viel Spaß beim Surfen haben.

Schwacher Rocker - Vor- & Nachteile

Ein Surfboard mit sehr flachem Rocker dagegen ist schnell und leicht zu paddeln. Aber in steilen Wellen ist es schwieriger zu handeln, da es sich nicht so gut der Kurve der Welle anpassen kann.

5. Concave oder Convex?

Ein weiterer wichtiger Punkt beim Surfboard Design ist die Boden-Beschaffenheit eines Surfbretts. Man kann hier entweder mit so genannten Channels arbeiten (Concave), die das Wasser zu den Finnen kanalisieren und dadurch schneller zu machen. 

Oder man baut eine kleine Herauswölbung ein (Convex). Damit hast du mehr Kontrolle über dein Surfbrett wenn du das Brett von einem Rail auf das andere bringen möchtest. 

Man kann den Boden des Surfboards auch flach lassen. Ein flacher Boden ist kein Problem bei kleinen Wellen. Ab einem gewissen Speed wird es allerdings schwierig zu kontrollieren. Bei den meisten modernen Surfboards wird ein Mix aus den verschiedenen Möglichkeiten vereint. Der Shaper kann hier kreativ werden. Single to double concave, belly to Vee, single to flat etc.. Die Variable der Boden-Beschaffenheit ist ein gern übersehener aber sehr wichtiger Bestandteil. Denn davon hängt ebenfalls ab, wie sich das Board anfühlen und surfen wird.

6. Die Rails am Surfboard

Rails sind die „runden Ecken“ oder auch Kanten links und rechts am Surfboard. Sie ziehen sich über die gesamte Länge des Bretts. Surfboard Rails sind der entscheidende Faktor dafür, wie sich das Wasser um dein Surfbrett bewegt, wenn du auf der Welle bist. Wenn sie belastet werden, ändert das Surfbrett die Richtung und du surfst einen Turn. Bei fast allen Surfboards sind die Rails an der Nose und am Tail eher dünn gehalten, um das Board wendiger zu machen. Zur Mitte hin werden die Rails dicker, um genügend Auftrieb beim Paddeln und Absurfen einer Welle zu garantieren. Du siehst, beim Surfboard Design ist jedes Teil am Brett durchdacht.

Harte und softe Rails

Das hier sind jetzt Infos für alle, die den Unterschied genau wissen möchten: Es gibt zwei verschiedene Arten von Rails: Harte und softe Rails. Rails werden als hart bezeichnet, wenn der äußerste Punkt nach unten gezogen wird und es eher kantig wird. Softe Rails dagegen sind nach oben gezogen und die Rails werden runder.

Vereinfacht gesagt werden harte Rails eher bei Shortboards angewendet. Denn diese sind dafür gemacht, hohle, schnelle Wellen zu surfen. Die kantigeren Rails greifen besser in der Wellenwand und machen das Surfboard bei richtigem Druck wendiger. Dadurch sind radikalere Manöver möglich, die das Brett kontrolliert ausbrechen lassen. 

Softe Rails kommen bei Surfboards zum Einsatz, die für gemütlichere Wellen gebaut wurden. Diese Rails geben viel Auftrieb und verzeihen den einen oder anderen Fehler beim Turnen des Brettes. Das Surfboard wird nicht so leicht ein “Rail catchen”, heißt, du bleibst beim Turnen nicht so einfach stecken oder fällst. Gerade bei schwachen Wellen garantieren dir runde, dicke Rails mehr Spaß.

7. Surfboard Finnen - Das sind die Unterschiede

Die Finnen sind ebenfalls ein wichtiger Faktor beim Surfboard Design. Denn die Finnen halten uns in der Spur beim Surfen. Probiere es gern selbst aus und surfe dein Brett einmal mit anderen Finnen oder einer anderen Finnen-Anordnung. Du wirst einen großen Unterschied bemerken. Die Anzahl, Anordnung und Größe der Finnen machen dabei den Unterschied:

Single Fin

Das älteste Finnen-Setup. Allerdings ist es auch das Langsamste von allen. Denn um die eine Finne entstehen sehr viele Wasser-Verwirbelungen während der Fahrt. Dafür hast du einen guten Halt während des Trimmens in der Welle. Das Single Fin Setup wird typischer Weise bei Longboards, Minimalibus und Retroboards verwendet.

Twin Fin

Twin Fins sind das zweitälteste Finnen-Setup. Das Wasser wird zwischen den beiden Finnen kanalisiert. Das macht das Brett sehr schnell und responsiv. Durch die Geschwindigkeit hast du manchmal in größeren Wellen Probleme. Denn das Surfboard wird so schwerer zu kontrollieren. Bei kleineren Bedingungen kannst du damit viel Spaß haben. Denn dann freust du dich bestimmt über den extra Speed. Auch schnelle Richtungsänderungen gehen mit diesem Finnen-Setup leicht von der Hand.

Quad Finnen Anordnung

Das Quad besteht aus vier Außenfinnen ohne Center Fins. Wie beim Twin Fin, stört hier keine Mittelfinne den Wasserfluss und dadurch ist das Surfboard sehr schnell. Es bietet durch die zwei extra Finnen ein bisschen mehr Stabilität. Das bedeutet, du kannst größere Wellen damit surfen. Wie schon vorher beschrieben, ist Geschwindigkeit nicht immer hilfreich beim Kontrollieren eines Brettes. Es kann passieren, dass du dadurch an Teilen der Welle “vorbeischießt”, wo du eigentlich ein kraftvolles Manöver machen könntest. Das Quad hat einen sehr ähnlichen Einsatzbereich wie das Twin Fin Setup, es ist aber leichter zu turnen. Denn die Finnen sind weiter außen angebracht und dadurch wird der Übergang von dem einem Rail zum anderen erleichtert.

Thruster Finnen Set

Der Australier Simon Anderson gilt als der Erfinder des Thruster Setups in den 80er Jahren. Bei diesem Finnen Setup werden drei gleich große Finnen statt nur zwei verwendet. Durch die so genannte Center Fin, bietet dieses Finnen Setup guten Halt im Wasser. Die zwei Außenfinnen verhelfen zur entsprechenden Drehfreudigkeit des Surfboards. In den 80ern war das eine Revolution. Denn durch diese Errungenschaft waren auf einmal noch vertikalere Manöver auf der Welle möglich. Dazu konnten Surfer kreativer in der Linienfindung auf der Welle werden. Dieses Setup hat sich durchgesetzt und wird heute bei den meisten modernen Surfbrettern verbaut. Bei Contest Surfern ist es sogar das Standard Finnen-Setup.

8. Kleiner Surfboard Shapes Guide

Wie du siehst, haben wir jedes Teil eines Surfboards für dich unter die Lupe genommen. Falls du unseren Surfboard design Guide bis hier hin gelesen hast, kannst jetzt sicher ganz gut einschätzen, welches Surfboard für welche Wellen geeignet ist. Das ist sehr wichtig, um die Wahl deines Surfbretts auf die vorherrschenden Bedingungen abzustimmen. Denn wenn das Surfbrett dazu passt, ist die Chance auf den größtmöglichen Spaß im Wasser am höchsten.  Kommen wir also zu den Surfboard Typen. Wie du sicher weißt, gibt es bei den Surfbrettern unterschiedliche Shapes. Für diesen Beitrag stellen wir dir die vier beliebtesten Surfboards vor. 

Das Longboard

Das Longboard macht seinem Namen alle Ehre und ist sehr lang. Laut der internationalen Wettkampf-Regeln muss ein Longboard mindestens 9ft lang sein. Ein Longboard ist meistens mit einer Single Fin ausgestattet. Dieses sehr lange Brett ist vor allem für kleinere oder flachere Wellen bestimmt. Durch die Länge gleitest du super früh in die Welle und kannst so auch schwache Wellen surfen. Der Nachteil: Durch die Länge ist dieses Surfbrett sehr schwer zu turnen. Gute Longboard-Surfer können auf dem Brett nach vorne und nach hinten laufen und durch geschickte Gewichtsverlagerungen auch Turns in die Wellenwand zaubern. Das macht das Surfen dieses Brettes auch so einzigartig.

Minimalibu

Im Grunde ist ein Minimalibu ein zusammengestauchtes Longboard. Das perfekte Anfänger/Intermediate Board. Ein Minimalibu Surfboard ist meistens lang, breit und dick für eine maximale Wellenausbeute. Trotzdem ist es noch kurz genug, um erste Turns zu fahren ohne ein großer Techniker am Longboard zu sein. Einsatzbereich: kleine bis mittelgroße Wellen. 

Das Minimalibu Surfboard im Detail

Das Shortboard

Das Shortboard ist das Brett für den geübten, paddel-fitten, performanceorientierten Surfer. Um solch ein Brett zu surfen, braucht man viel Druck in der Welle sowie auch eine gewisse Wellengröße. Wenn diese Bedingungen stimmen, bist du auf einem Shortboard super wendig und schnell. Die Pros, die in den Surf-Videos gezeigt werden, surfen fast alle Shortboards. Sie reizen das Potenzial dieser kleinen Bretter voll aus. Bis du so ein Brett selbst surfen kannst, dauert es eine Weile und genau darin liegt auch das Problem: Wir haben es schon mehrmals angesprochen und können uns nur wiederholen: Viele intermediate Surfer wechseln zu schnell auf solch kleine Surfbretter, da sie ständig gute Surfer damit surfen sehen. Und natürlich sieht es auch besser aus, damit am Strand aufzutauchen als mit einem großen Minimalibu Surfboard. Dass ein großes Surfbrett aber viel förderlicher für die eigene Entwicklung wäre, wird dabei oft übersehen.

Fish

Ein Fish ist meistens ein kurzes, relativ voluminöses Surfboard, das sehr viel Spaß in kleinen bis kopfhohen Bedingungen macht. Ein Fish hat ein breites Swallow-Tail für viel Eigengeschwindigkeit und eine breite Nose, um früh in die Welle hineinzugleiten. Dennoch kann man es noch relativ einfach turnen, da es eher kurz ist.

Hier wird der Fish genau erklärt

Das ist nur ein kleiner Auszug aus der Welt der Surfbretter. Die Shaper verbinden immer mehr die guten Eigenschaften der verschiedenen Variablen und es entstehen spannende Hybrid-Bretter oder sogenannte Fun-shapes. 

9. Die Rolle der Outline beim Surfboard Design

Die Outline ist die Form des Surfbrettes. Anhand dieser äußeren Form kann man ganz gut erkennen, um welches Surfbrett es sich handelt. Mit Hilfe der oben beschriebenen Maße bist du damit in der Lage zu sehen, welche Eigenschaften das Surfboard hat, wie das Volumen verteilt wurde und um welchen Surfboard Shape es sich handelt (Fish, Shortboard, Longboard etc...). 

10. Das Material: Epoxy oder Polyester Surfboard?

Wenn man sich ein eigenes Surfboard zulegen will, das nicht ein Soft Top Surfboard ist, stellt sich meistens die Frage nach dem Materiel: Epoxy oder Polyester?

Epoxy Surfboard

Epoxy Surfbretter sind stabiler, einfacher zu surfen und haben mehr Eigenauftrieb als Polyester-Bretter. Das heißt, man könnte bei einem Epoxy-Brett auch 1-2 Liter weglassen, wenn man sich eines zulegen möchte. Der Nachtteil ist, dass Epoxy-Bretter nur bei sauberen Bedingungen genau funktionieren. Sobald ein bisschen Wind in der Welle ist, “hüpft” das Brett schnell mal über die kleinen Wellen und es ist relativ schwer, technisch sauber zu surfen. Einen intermediate Surfer wird das eher wenig stören, fortgeschrittene Surfer merken den Unterschied.

Polyester Surfboard

Polyester Boards haben einen variableren Einsatzbereich als welche aus Epoxy. Diese Surfbretter performen in unterschiedlichsten Bedingungen sehr gut, und man kann sich mehr auf das Brett verlassen. Außerdem hat man ein “direkteres” Gefühl zum Board, weil es ein bisschen tiefer im Wasser liegt als ein Epoxy-Surfboard. 

Unser Tipp: Probiere beide Varianten aus und entscheide für dich, was dir besser gefällt. Wichtig ist, dass du dich damit wohl fühlst.

Surf-Profi Stephanie Gilmore testet exotische Surfboard Shapes

Hier siehst du ein paar Exoten unter den Surfboards und dass diese auch für Profis nicht immer leicht zu surfen sind.

Fazit Surfboard Design

Jetzt hast du einen besseren Überblick darüber, welche Eigenschaften das Surfboard beeinflussen. Man muss  viele Faktoren beachten, und es ist kompliziert, alles zu verstehen. Im Surfboard Design gehen die Experten bei jedem dieser Punkte sogar noch weiter in die Tiefe..

Als Tipp von uns: Probiere viele Bretter aus, und schau was dir gefällt. Fragte außerdem einen erfahrenen Surfer oder beim Surfshop deines Vertrauens nach und lass dich beraten. Eine Verallgemeinerung ist sehr schwierig, denn jeder hat einen anderen Körper, Stance auf dem Surfboard oder surft andere Linien auf der Welle. Das ist irgendwie auch das Schöne am Surfen: Alles was Spaß macht, ist gut!

Interview mit Phil - einem Surfboard Shaper aus Deutschland

Was wäre ein Beitrag über Surfboard Design ohne mit einem echten Experten gesprochen zu haben? Phil hat nicht nur bei uns im Camp als Surflehrer gearbeitet, er ist außerdem bereits seit vielen Jahren Shaper. Als Abschluss haben wir ein Interview mit Phil geführt. Seine eigene Surfboardmarke heißt PT Surfboards. Im Interview spricht er über die Herstellung von Surfboards, warum Soft Top Surfboards besser sind als ihr Ruf und was man braucht, um sich selber als Shaper zu versuchen. Viel Spaß!

Warum hast du angefangen, Surfboards zu bauen?

Das entstand aus der Not heraus – Die Bretter waren teuer und es gab nicht viel Auswahl in Deutschland. Wir sind viel in München am Eisbach gesurft und die großen Marken waren unbezahlbar. Es gab kaum Factorys in Europa und die Boards mussten aus Übersee importiert werden. Es war einfach schwierig an gute Bretter zu gelangen. Außerdem hatte ich von Anfang an Interesse am Surfboard Design und Lust, selber Bretter zu bauen.

Wie wird ein Surfboard hergestellt?

Traditionelle Boardbauweise: Es wird ein Schaumkern (PU Schaum oder EPS) in Form gebracht. Aus diesem Kern wird die Outline eines Boards heraus gefräst. Diese wird dann mit Glasfaser-Matten und Polyesterharz laminiert: Ober- und Unterseite in zwei Schritten. Anschließend kommt eine extra Schutzschicht darüber - nur Harz. Das wird alles abgeschliffen und , je nachdem welches Finnensystem, vor dem Laminieren oder danach eingesetzt. Die Surfboard-Form wird mit CAD am Computer erstellt und in eine Maschine eingelesen. Die fräst das Board schließlich aus dem Rohling. 

Was für ein Surfbrett hast du dir selbst als letztes gebaut?

Ein 6,4er! Ich surfe fast nur kurze Bretter, ich wollte aber ein Brett mit etwas mehr Volumen haben, das auch in größeren Wellen einsetzbar ist. Ich hab das Surfboard danach designt, welche Wellen ich surfen möchte und zwar am oberen Ende meiner persönlichen maximalen Wellengröße. Der Shape ist lang, dick aber nicht zu breit. Zusammen mit einem Pintail und einem Single Fin Setup ergibt sich ein Board, das durch das Pintail genug Halt hat. Die Single Fin wollte ich, weil diese meiner Meinung für große Wellen und geradeausfahren am meisten Kontrolle bietet. In sehr großen Wellen lege ich persönlich nicht Hauptaugenmerk auf viele Turns, sondern eher auf Stabilität in der Welle. Für den Fall der Fälle habe ich noch Finnen-Boxen für eventuell kleine Side-Fins angebracht - falls es doch mal zu steil für die Single Fin werden sollte. Der Entstehungs- und Findungs-Prozess für meine eigenen Bretter dauert oft mehrere Monate.

Welche Fragen stellst du deinen Kunden vor dem Surfboard Design?

Bevor ich mit dem Designen und dem Bau beginne, möchte ich so viel Information über das Surflevel meiner Kunden herausfinden wie irgendwie möglich. Sei es durch Fotos und oder Videomaterial. Ich werde sie auch zu den Surferfahrungen mit verschiedenen Surfboards befragen beziehungsweise danach fragen, welche Boards das waren. Und was sie für die Zukunft vorhaben. Welche Reiseziele sie als nächstes ansteuern und er welchen Manövern sie gerade arbeiten. 

Warum werden Soft Top Surfboards immer beliebter?

Einerseits wird die Soft Top-Technologie gerade richtig gut. Diese Surfboards surfen sich fast wie Polyesterbretter. Mittlerweile kann man auch professionelle Carbon Finnen anbringen und sie sind fast unzerstörbar und vergleichsweise billig. Außerdem garantieren sie unheimlich viel Spaß in vielen Bedingungen. Meiner Meinung nach sollte eigentlich jeder ein Soft Top in seinem Repertoire haben. Der einzige Nachteil der mit einfällt ist, dass sie nicht die Perfomance haben wie ein auf den zehntel millimeter geshaptes Polyester- oder Epoxy-Surfbrett.

Wann sollte man als Beginner auf ein "normales" Surfboard wechseln?

Man kann da keine feste Regel aufstellen. Ein paar gute Kumpels von mir gehen unheimlich gern auch in großen und guten Wellen mit einem Soft Top surfen. Wenn der Wunsch nach Perfomance größer wird und wer eine neue Herausforderung sucht und vielleicht an technischen Details seines Surfen arbeiten möchte, kann sich mit einem Polyester oder Epoxybrett auseinandersetzen. Wenn man diesen Schritt gehen möchte, mit mehr Perfomance und Augenmerk auf Verbesserung der eigenen Technik, muss man sich drauf einstellen: Dass man weniger Wellen surft und die Körperliche Fitness deutlich wichtiger wird. Ich würde Urlaubs-Surfern die weniger als  4 Wochen im Jahr surfen und jetzt keine Jugendlichen sind oder eine extrem steile Lernkurve haben, eher abraten, sich ein eigenes Hardtop zu kaufen. Ich zeige den Leuten auch proaktiv, dass der Spaß immer im Vordergrund stehen sollte. Es ist keine Schande, ein Soft Top zu surfen.

Was ist der größte Fehler bei der Wahl eines Surfboards?

Der Klassiker: Ein zu kleines Brett. 

Gibt es nachhaltige Surfboards?

Das gibt es auf jeden Fall. Durch die ganzen neuen Technologien gibt es unterschiedlichste Möglichkeiten, ein Surfboard nachhaltig zu gestalten. Dabei werden Materialien wie Bambus, Hanf, Leinen oder Kork verwendet. Es gibt außerdem recycelte Schaumkerne. Es gibt auch ökologische Epoxit-Harze. Da gibt es zum Beispiel die Firma Entropy Resin, die Stellen Bio Epoxy her. 

A-Frame Tipp: Blogbeitrag über mehr Nachhaltigkeit beim Surfen inklusive Surfboard Marken, die bereits auf nachhaltige Bretter im Porgramm.

Was braucht man, wenn man selbst shapen möchte?

Man braucht auf jeden fall einen Ort, der sehr dreckig werden und nach Chemie stinken darf. Das ist die Grundvoraussetzung. Natürlich benötigt man auch Maschinen und Werkzeuge. Man muss am Anfang nicht die professionellsten Tools kaufen. Es genügen welche aus dem Baumarkt. 

  • Exzenter Schleifer bzw. Winkelschleifer
  • Elektrohobel
  • Säge
  • Schleifpapier
  • Eine Raspel. 

Dann hat man fast schon alles was man braucht. Dazu benötigt man natürlich noch das Grundmaterial. Das sollte man sich im Internet bestellen, wenn man nicht gerade den Surfshop vor der Tür hat. Es gibt mittlerweile gute Shaping Kits, mit der richtigen vorpräparierten Menge an Harz, Glasfasermatten und Fin plugs etc. Und der Rohling natürlich. Viel Zeit und eine gute Internetverbindung sind auch nicht verkehrt denn man wird viele Youtube Videos schauen und noch mehr Online-Research in einschlägigen Foren durchführen müssen.

Redaktion: Alexander Weiß, Jana Mironowitz